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Tom Jones

wurde am 7. Juni 1940 als Thomas Jones Woodward im südwalisischen  Pontypridd geboren. Südwales ist eine Bergbauregion und so war auch sein Vater  Bergarbeiter. Das Singen war ihm immer wichtig und er sang nicht nur im örtlichen Kirchenchor. Er heiratete bereits mit 15 Jahren Melinda Trenchard und wurde mit 17 Vater. Sein Leben bestritt er mit verschiedenen Jobs und besserte sein Einkommen mit Singen in Clubs und Kneipen auf. Bereits damals nannte man ihn "Tiger Tom". Als er 22 war, wurde er von Gordon Mills entdeckt und seine Karriere nahm ihren Lauf.

Regen im Tal

1952 wurde bei Tommy Woodward Tuberkulose diagnostiziert – zu jener Zeit eine tödliche Krankheit. Zwei Jahre lang konnte er das Haus in der Laura Street 44 in Treforest nicht verlassen. Durch das Fenster sah er seine Freunde spielen. Unter ihnen war ein hübsches katholisches Mädchen, Melinda Trenchard. Sie hatte ihm sein Herz geraubt.
Kein Regen ist wie Regen in einem Tal. Tommy Woodward hasste den Regen über alles, weil er in seiner Dachkammer eingesperrt war, dazu verurteilt, wegen eines dunklen Schattens auf seiner Lunge. Zwei Jahre lang saß Tommy Woodward in dieser Dachkammer fest, zwei Jahre, die ihm vorkamen, wie zwanzig, in denen er auf die Berge über Pentre-Bach, das Taff-Tal entlang starrte. Ein Junge mit kohlrabenschwarzen Augenringen, der zu schwach ist, in die Schule zu gehen, zurückgehalten von einem Fenster, das Gesicht zerknittert vom Pressen gegen die Scheiben.
Seine winzige Dachkammer war angefüllt mit Bildern, Kohle- und Buntstiftzeichnungen. Alles Bildnisse von Mädchen.
Sein Körper war zur Falle geworden. Er veränderte sich und wuchs, während er dort lag – zu schwach zum Rennen, zu matt zum Singen, aber nicht zu gebrechlich zum Träumen. Er Träumte von einem Mädchen, das auf einer Pflasterstraße mit Murmeln spielte. Ein blondes Mädchen mit einem hellblauen Kleid. Kleine Goldringe glitzerten an weißen Ohrläppchen, nackte Beine mit weißen Söckchen liefen einen Hang hinauf.
Im zweiten Jahr konnte er eine Stunde täglich aufstehen, aber noch nicht das Haus verlassen.
„Die Ärzte wussten nicht, wie lange ich noch krank sein würde. Ich musste alle paar Monate zum Röntgen, bis der Schatten verschwunden war.“
Manchmal, wenn er sich stark genug fühlte, die Treppe zu bewältigen, war er unten bei seiner Mutter und sah ihr beim Kuchen backen zu. Tommy aß gern und solange er krank war, forderte seine Mutter ihn zum Essen auf, damit er wieder zu Kräften komme.
„Als ich geheilt war, sagten die Ärzte, ich solle mich nicht gleich zu viel bewegen, da meine Muskeln noch sehr schwach waren,“ erzählt er „ natürlich hielt ich mich nicht daran und lief mit den anderen Jungs herum, bis plötzlich meine Beine anschwollen. Die Schmerzen waren unglaublich.“
Dies war die prägendste Erfahrung in Tom Jones Kindheit, vielleicht seines Lebens.
Als Tom im Bett lag, vermisste er zwei Dinge: die Mädchen und das Singen. Während dieser beiden Jahre hatte er den Höhepunkt seiner Pubertät erreicht und zu der Frustration über seine sexuellen Sehnsüchte, kam die Unfähigkeit, sie stillen zu können. Während dieser Monate des Exils hatte er sich auf zwei Frauen fokussiert. Eine war seine Mutter, die immer in der Nähe und auf ein Klopfzeichen zur Stelle war – sie war das Zentrum seines Universums. Die Andere, das Objekt seiner Begierde, konnte er kaum einmal sehen, geschweige denn berühren.
Von da an forderte er immer beides. Häusliche Zufriedenheit durch Herrschaft und ständige sexuelle Eroberungen. Er besaß das Mittel, diese Ziele zu erreichen – seine Stimme.
Tommy Woodward hatte endlose Monate aus dem Fenster gestarrt. Bei diesem ständigen Schauen auf Dinge, die er nicht anfassen konnte, machte er sich selbst ein heiliges Versprechen: „ Sollte ich eines Tages dieses Bett verlassen und gesund werden, werde ich niemals wieder traurig sein.“
Und er war es niemals wieder.

An der Weltspitze

Eine Reihe von Hits im Jahre 1970, seine TV Serie „This Is Tom Jones“, ausverkaufte Las Vegas Shows und riesige Tourneen durch Amerika, machten Tom Jones zum erfolgreichsten Solostar der Welt.
„ In den frühen 70ern war ich einer der höchstbezahlten Entertainer.“ erinnert sich Tom „1970 hatte ich eine wöchentliche TV Serie, Platten in den Top 5 und eine Nr. 1 mit She’s A Lady. Ich tourte 6 Monate des Jahres und bekam $ 100.000 pro Auftritt. Heutzutage wäre es sechsmal so viel. Ich war so weit vorn, wie man nur sein kann. Es war nicht nur Las Vegas, auch die TV Shows, die im Madison Square Garden, dem Forum in LA und dem Cow Palace in San Francisco aufgezeichnet wurde, waren sehr erfolgreich. Kein Solokünstler hatte zuvor solche Arenen gefüllt, nur die Beatles und die Stones spielten vor so vielen Leuten.“
1970 machte er die größte Tournee in Amerikas Showbiz - Geschichte. Sie brachte ihm 2 Millionen Dollar ein. Der Umfang der Tournee stellte die Beatles Tours von 1965 und 1966 in den Schatten. Seine 34 Auftritte waren doppelt so viele, wie die Stones im Herbst davor hatten. Die Tour wurde von Buddy Howe, dem Präsidenten von CMA, geplant. Er war bis zu seinem Tode Jones und Humperdincks Agent in Amerika. Das Geschäft wurde mit einem simplen Handschlag mit Gordon Mills (seinem Manager) besiegelt.
Darlene Love, die Stimme vieler Phil Spector Hits, war eine von den Blossoms, Toms Backgroundchor: „Ich hatte niemals zuvor einen solchen Luxus gesehen. Es war erstaunlich. Natürlich war Tom die heißeste Nummer in Amerika, „ erinnert sie sich „ aber es wurde wie eine militärische Operation geplant. Uns wurde dieses riesige dicke Dossier gegeben, das ausführlich darstellte, wo alle Mitglieder der Reisegruppe zu jeder angegebenen Zeit sein mussten. Für den Fall, dass wir das Flugzeug verpassten, gab es immer eine Liste mit nachfolgenden Flügen. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Tom erwacht zum Leben, wenn er auf der Bühne ist, denn das ist sein Leben. Ich glaube nicht, dass er jemals irgendetwas so geliebt hat, wie seine Arbeit. Wir arbeiteten 10 Monate des Jahres. Mindestens. Wir reisten sehr viel, zehn Tage am Stück. Danach verließ Tom das Land für ein Paar Tage. Das hatte etwas mit der Einkommensteuer zu tun. Dann kam er zurück und wir arbeiteten wieder 10 Tage. Darauf folgte eine Pause von vielleicht zwei Wochen, nach denen wir wieder auf Tour gingen. Dieser Ablauf war konstant. Wenn sie so heiß drauf sind, müssen Sie arbeiten.“
In ihrem Umfang, der Größe der Veranstaltungsorte (Stadien und großer Arenen), ihrer Realisierung und Logistik, waren Tom Jones Amerikatourneen von 1970 und 1971 ihrer Zeit voraus. Sie wurden der Maßstab für die Organisation der großen Arenatouren, die zur Norm wurden. Privates zwischen den Gigs, hervorragender Champagner vom Fass, bezahlte Mädchen - dies ist die Art von Superstarexzessen, mit denen normalerweise die Stones und Led Zeppelin in Verbindung gebracht werden. Tom war der Erste.

Die mageren Jahre

1986 war Tom so wenig besorgt wie er immer über seine Karriere. Er arbeitete ständig in Amerika - Vegas für zwei Monate in vier Zweiwochenabschnitten, eine oder zwei Wochen in Atlantic City und mindestens hundert einzelne Abendveranstaltungen in den ganzen Staaten. Die Veranstaltungsorte wurden kleiner. Es gab keine neuen Lieder von ihm im Fernsehen oder Radio. Tom erkannte, dass seine Karriere in Schwierigkeiten war. In der Vergangenheit  war er durch Aufnehmen eines großen Titels gerettet worden. Das Problem war, einen zu bekommen.
„Ich war mit Liveauftritten beschäftigt“ gab er zu „ sie schwanden nicht, wie die Hits. Ein Jahr ging vorbei, zwei, drei Jahre vergingen und das Publikum blieb. Bei den großen Veranstaltungen singend, war ich dem Denkfehler verfallen, dass mich jeder hören kann. Ich sang die Lieder, aber sie wurden nicht aufgezeichnet, damit mich auch andere sehen konnten.“
1978 war Say You'll Stay Until Tomorrow sein 15. Hit in den amerikanischen Popcharts. Es war seine erste Nr. 1 Countrynummer, die Gordon (Mills) half, einen komplett neuen Deal auszuhandeln. Im Jahr 1980 unterschrieb Tom einen Vertag mit dem europäischen Konglomerat Polygram, die damit in Amerika Fuß fassen wollten. „Sie wussten nicht, was sie mit mir anfangen sollten.“ erinnert er sich „Im Studio muss eine bestimmte Richtung vorgegeben werden, besonders, wenn die Plattenfirma so viele verschiedene Abteilungen hat. Die erste Platte, die ich für sie machte – Darlin’ - wurde ein Countryhit. Also sagte die Countryabteilung,  sie hätten mir einen Hit verschafft und wollten, dass das nächste Album Country war. Ich sagte „Fein“.
“Das hätte eine geniale Entscheidung sein können. Die Plattenindustrie hatte noch immer mit den Nachwirkungen der Discoära zu tun und die Coutrymusik erlebte eine solide Renaissance. Deren Publikum wusste immer einen Mann mit einer kräftigen Stimme zu schätzen und der Fähigkeit, jede verfügbare Träne aus einem lyrischen Text heraus zu wringen. Für die Plattenhülle von Darlin’ posierte Tom in Countryklamotten. Das sah höchst unbequem aus und in Songs wie dem Remake von Elvis 1959er Hit One Nigth hört man es ihm auch an.
„Ich hatte mit dem Ersten Titel einigen Erfolg“ sagt Tom „und sie wollten noch einen und noch einen. Ich schaufelte mein eigenes Grab und bedeckte mich selbst mit Kuhfladen. Aber ich hatte eine Verpflichtung, so dass ich kein schlechtes Album machen wollte und sie zahlten gerade genug, um mich bei diesem Countryding zu behalten. Ich sang auf kleineren Bühnen, aber ich kriegte es nicht in trockene Tücher. Was mich dazu brachte, ohne Plattenaufnahmen weiterzumachen, war, dass die Leute dort waren."
Als der Polygram-Vertrag endete, lehnte Tom es ab, ihn zu verlängern. Zum ersten Mal in 21 Jahren hatte er keinen Plattenvertrag. Dann, im Juli 1986, starb seine Manager und Mentor Gordon Mills  an Magenkrebs. Toms Karriere hatte ihren Tiefpunkt erreicht. Aber er fasste den Entschluss, seine Karriere dem Mann anzuvertrauen, der ihn besser verstand, als irgend ein anderer... seinem Sohn Mark.

Reload

Während der 90er Jahre hatten Toms Auftritte ihm Tausende  junger Fans gebracht, konnten aber seinen Ikonenstatus nie auf die Plattenverkäufe übertragen. Rettung kam in der Form von Gut Records, einem kleinen unabhängigen Plattenlabel, das von dem früheren Radiotechniker Guy Holmes am Laufen gehalten wurde.
Ende 1997 kam Tommy Scott, der Leadsänger von Space, einer Liverpooler Popband, in das Büro von Gut in Maida Vale mit einer unfertigen Demo eines Lieds, das er mit Cerys Matthews, dem Leadsänger von Catatonia aufzeichnen wollte. „The Ballade Of Tom Jones“ handelt von einem sich bekriegendes Paar, gerade im Begriff einander umzubringen, bis sie Tom singen hören. Eine gut gemachte, simultane Aufnahme und ein kitschiger Witz. „The Ballade Of Tom Jones“ parodierte, was Tom in der Vergangenheit tat und macht ihm ein Kompliment als Künstler. Sobald das Lied fertiger war, schickte Holmes eine Kopie an Tom in LA, das sich per Fax dafür bedankte. Das Lied erreichte schließlich Platz 4 im März 1998. Tom verwendet es jetzt als Einführungsmelodie für seine Show. Eine Platte ihm zu Ehren? Die seinen Ikonenstatus bestätigt. Bis zu diesem Lied war Tom Jones nur der Name einer Person für Gut. Jetzt hatte er sich in ihrem Bewusstsein eingenistet.
Als Anfang des Jahres 1998 die Partner nicht so recht weiter kamen, sagte Caroline Lewis „Ich frage mich, was Tom Jones gerade macht? Vielleicht könnte er ein  Duett mit Tommy Scott aufnehmen?“ Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich der Vorschlag zu einer viel grandioseren Idee - ein Duettalbum mit jüngeren Künstlern. Nach seinem genialen Duett mit Robbie Williams bei den Brit Awards, überzeugte Guy Holmes Tom und Mark Woodward davon, eine Serie von Duetten mit jungen Musikern, einschließlich der  Cardigans,  Natalie Imbruglias und Simply Red zu produzieren.
Auf verschiedene Weise ist Toms instinktiver musikalischer Ansatz besser für die Neunziger geeignet. Als er seine Kariere begann, spielten die Musiker strikt nach ihren Vorlagen, aber junge Gruppen arbeiten gefühlsmäßig. „Tom liebte die rauhe und aufreizende Art des Spiel der Stereophonics. Was er in einem Musiker liebt, sind die Eier, purer rauer Fick und es einfach tun.“ sagt Holmes „ Er tut es ohne zu denken. Er ist ein sehr instinktiver Mensch und arbeitet auf der Basis dessen, was er fühlt und was er liebt. Das ist etwas, was die Leute von Tom lernen können Er ist viel netter, als ich dachte. Mit einigem Recht wird Tom als Entertainer bezeichnet, weil er immer nur die Lieder Anderer gesungen hat, aber die gleichen Leute  klassifizieren Frank Sinatra als Sänger und Schauspieler. Frank hatte eine sehr genaue Vorstellung davon, wie seine Arrangements sein sollten. Genauso ist es bei Tom. Er hat Ideen, aber er ist im Studio sehr diplomatisch. Er stellt niemandem eine Falle.“...
Es funktionierte. Reload kam an die Spitze der Albumcharts. Es war sein erstes Nummer Eins Album seit 20 Greatest Hits im Jahr 1975. Das Delilah Album vom Juli 1968 ist sein einziges weiteres Album, das die Spitze der Charts erreichte. Bis Weihnachten 1999 waren 500.000 Kopien in Großbritannien und weitere 750.000 in Europa verkauft und wurden Platin (75.000 Kopien) in Australien. Burning Down The House war in ganz Europa ein Top 20 Hit und Nummer 6 in Großbritannien.
Seine gemeinsamen Arbeiten mit den Stereophonics und Mousse T genossen ähnlichen Erfolg.
 „Reload zu machen, war eine Herausforderung.“ sagt Mark Woodward „Ich habe viel lieber eine Tom Jones Platte, die Leute entweder lieben oder hassen, als zu denken, na ja, ist OK. So war es bei Kiss, 30% der Leute dachten, es wäre eine völlig neue Platte und hassten sie. Die anderen kauften sie!
 „Das ist über die Jahre ein Teil von Toms Problemen gewesen, du versuchst,  jeden zufrieden zu stellen und es endet damit, dass du niemanden kriegst.“
 

Quelle:
Robin Eggar,  Tom Jones  - The Biographie, Paperback, Headline Books, London, 2001.


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