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Verräucherte Bars
Es war eine andere Art von Rauch (nicht der von Shania geliebte Rauch eines Lagerfeuers), der Eilleens Kindheitserinnerungen heimsuchte, der Mief von abgestandenem Tabakrauch, der in Nachtbars über Lachen von verschüttetem Bier hing. Zeiten, als ein angsterfülltes kleines Mädchen, bekleidet mit einem von Oma Selina handgeschneiderten Wildlederkleid und Cowboystiefeln, sich hinter einer Gitarre versteckte, die fast so gross war wie sie selbst, aufgeweckt mitten in der Nacht und noch halb schlafend auf eine Bühne geschleppt, um eine Truppe von ungehobelten Bergarbeitern und Holzfällern zu unterhalten. Sie gab Hank Williams' Kaw-liga genau auf die Art von Charley Pride, schmetterte Tanya Tuckers Delta Dawn , quetschte die Biertränen mit Dollys Partons Coat of Many Colours heraus und verabschiedete sich mit Kris Kristoffersons Me and Bobby McGee. In jenen späten Nächten im Mattagami Hotel in Timmins oder in welcher Bar auch immer Sharon Auftritte organisierte, wo sie Freedom's just another word for nothing left to lose sang, hatte Eilleen wirklich nicht viel zu verlieren. Die Familie brauchte die 20 Dollar, die sie verdiente, und Sharon sagte ihr, sie müsse Erfahrungen sammeln. Sie hasste es, hasste es zutiefst und hatte in all den Nächten überhaupt nicht das Gefühl, zu singen. Sie war acht Jahre alt. Sie sang gerne ... aber sie hasste diese Auftritte. Eilleen konnte immer singen. Sie hat keine Erinnerung an eine Zeit vor der Musik. Sie sang keine Kinderreime wie Twinkle Twinkle Little Star mit dem Lispeln eines Kleinkinds und abschweifender Melodie, statt dessen hielt sie die Melodie und experimentierte mit Formulierungen und Ton. Mit sechs sang sie die Harmonien, weil sie interessanter erschienen. "Ich erinnere mich daran, von meiner Mutter an die Spitze der Counter-Tops gesetzt worden zu sein, als ich drei war." sagt sie "Ich wollte immer zur Jukebox singen." Ihrer Schwester Jill wurde, als sie zehn war, eine akustische Gitarre geschenkt, aber irgendwie hatte die letztendlich immer ihre kleine Schwester in den Händen. Bald waren Eilleen und ihre Gitarre unzertrennlich. "Ich begann mit acht, Gitarre zu spielen, sang aber lange vorher." sagt sie "Ich habe ernsthaft mit Stimmharmonien experimentiert. Das war alles, was ich tun wollte. Ich wollte weder mit Puppen, noch irgend etwas anderem, als meiner Gitarre spielen. Ich wollte spielen, solange meine Finger mitmachten. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre ich lieber den leichten Weg gegangen und Liedermacher geworden, anstatt Aufzutreten. Ich liebte die Musik, aber Künstler zu sein, war nie meine Passion." Sharon war nicht bereit, dies geschehen zu lassen. Eine entschlossene Bühnenmutter, "...die für meine Karriere lebte. Sie wusste, dass ich begabt war, und sie lebte mit der Hoffnung, dass diese Fähigkeiten meine Chance waren, etwas Besonderes zu erreichen." Als die Familie nach Hanmer zog , kauften sie Eilleen ihre erste Gitarre, eine Elvegas-Kopie einer Gibson Hummingbird. Sie bekam Musikstunden von einem Gitarrenlehrer aus der Gegend. Sudbury war sicher der bessere Ort als Timmins, um Eilleens Karriere zu starten, wusste Sharon und ihr eher würdig. Die lokale Barkultur war prächtig entwickelt. Jene Spätvorstellungen waren die Gigs, die Eilleen immer am meisten fürchtete. Manchmal war sie so gerädert, aus den Tiefen ihrer Träume gerissen, wehrlos dort oben stehend und I'm so Lonesome I Could Cry singend, dass es kaum ein trockenes Auge inmitten des Biers und Zigarettenqualms gab. (Es ist ein kleines Wunder, dass sie nie geraucht hat und selten trank) Die Barbesitzer zahlten bar unter der Hand oder liessen den Hut an all jene herumgehen, die nicht zu betrunken waren, um zu vergessen, wo sie ihre Brieftasche hingesteckt hatten. Als sie 11 war, wurde der Job legal. "Die Polizei war jedes mal im Begriff, mich festzunehmen oder mich wegzuschicken", sagt sie, "oder aber, mir eine korrekte Genehmigung zu geben." Dies hätte bedeutet, dass sie zwar in den Bars singen konnte, aber in einem separaten Raum, ... was das Ende der 1 Uhr-Nachts-Shows bedeutete hätte.
Das Rockküken
Zurück in den Sommer 1981, als Dave Hartt vier seiner Freunde im Kellergeschoss von Rick Dions Haus, 371 Elm Street South eingepfercht hatte, direkt gegenüber von Zudels Frischemarkt. Daves ursprünglicher Plan war, zwei Lieder als ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund aufzunehmen. Er hatte für Oktober bereits ein Aufnahmestudio in Toronto gebucht. Wie es Bands für gewöhnlich tun, stritten sie sich über ihrem Namen bereits so lange, wie sie ihre Phantasien von Berühmtheit spannen und umwälzten. Eines Nachts murrte Dave, "Es ist fraglich (fragliche Angelegenheit, unsicher = long shot), ob hierbei jemals etwas heraus kommt." Bassist Mike Mitchell erwiderte: "Nun, Longshot ist besser als irgendein Name." Abgemacht. Die Jungs suchten immer noch einen Sänger, als sie eines Nachts den Fernseher einschalteten und dieses junge Mädchen mit einer erstaunlichen Stimme sahen. Leider verstand niemand ihren Namen und sie erkannten nicht jenes Mädchen, das ihnen ein paar Wochen zuvor bei McDonalds das Essen brachte. Sie hörten nur den Sprecher sagen, dass sie in Timmins die Highschool besuchte. Ein Paar Monate später, als sie um die Ecke in der Nähe der Twainschen Wohnung in Balsam South spazierte, traf sie Dave, der eben der Meinung war, dass sein Lied Take My Hand als Duett funktionieren könnte. Eilleen war zu dieser Zeit 16. Auf der Bühne stellte Eilleen sich nie zur Schau. Sie versteckte ihre Figur hinter ihrer 12seitigen Tacoma-Gitarre und spielte Rhythmus, wenn sie nicht sang. Sie zog sich schlicht an, nie zu sexy, weite Sweatshirts über Spandex-Strumpfhosen und Woll-Leggings - dem Flashdance-Look- ohne nacktes Fleisch zu zeigen. Mit wachsendem Selbstvertrauen wurde auch ihre Kleidung etwas enger, sie bevorzugte schwarze, hautenge Satinhosen mit passendem Top und Stirnband - sehr Olivia Newton John - oder schwarze Hosen aus Leder. Longshot war nicht von eigenen Liedern abhängig. Es gab nur drei Hartt- Kompositionen Thanks for the Good Times, Sandy und das Duett Take My Hand, welches zur inoffiziellen Hymne bei verschiedenen lokalen Hochzeiten wurde. Eilleen sang über die Hälfte des Materials zusammen mit Hartt, zu etwa 40% als Leadsängerin - blieben noch 3 Nummern für die beiden Mikes. Das Material war Meilen von dem entfernt, was Eilleen kannte. Hartt verabscheute Country und weigerte sich, irgend etwas davon anzufassen. Alle Bandmitglieder wussten, dass Eilleen Lieder schrieb, als sie diese aber hören wollten, wandte sie immer ein, dass sie noch nicht fertig seien. Eilleen wurde bald zu einer der bestimmenden Persönlichkeiten der Band. Longshot arbeitet hart, vielleicht zu hart, sagten sie doch selten eine Vorstellung ab. So gingen sie am Wochenende des 1. Juli 1982 vom JP's zum Hollinger Park zu einem Bandwettstreit und danach zum JP's zurück. Am nächsten Tag spielten sie auf der Hochzeitsparty eines Freundes und am frühen Abend wieder im Park. Sie spielten zu merkwürdigen Anlässen, wie dem Tanzabend eines Baseballteams in La Ronde, dem französische Kulturzentrum und zu beschissenen Konditionen wie beim GV Hotel, wo sie weniger als die Kellnerinnen verdienten. Longshots letzte Vorstellung in der Palmour Tavern am 14. Januar 1983, sollte nicht das definitive Ende sein. Nach 18 Monaten, in denen sie fast jede Nacht zusammen waren, brauchten die Bandmitglieder eine Pause, eine Trennung. "Wir waren vermutlich die beste Band in Timmins, aber wir waren eben aus Timmins." sagt Mike Chabot, treffend eine Band charakterisierend, die etwas erreicht hatte. "Mein Traum waren nie North Bay oder Sudbury. Es war purer, absoluter Spaß für mich. Ich dachte darüber nach, meinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, aber Schlagzeuger gibt es im Dutzend für Zehncent. Als sich die Band auflöste, kam ich zu einer Band in Südontario, gab ihr einen Impuls, aber es kam nichts dabei heraus. Eilleen ging zu einer Band unten in Sudbury, war aber in Gedanken schon einen Schritt weiter."
Ein Mann, genannt "Mutt"
Obwohl sie Jahrzehnte, Hemisphären und Kontinente voneinander entfernt aufwuchsen, gibt es unheimlich viele Ähnlichkeiten zwischen Mutt Langes und Shania Twains musikalischen Backgrounds. Beide wuchsen an Orten auf, die sich weit abseits der bekannten Peripherie des Musikgeschäfts befanden, beide wurde von ihren Eltern von einer zwanghaften Entschlossenheit angesteckt, ihr Handwerk zu lernen, ... und die Art der Musik, die sie als Kinder hörten, war geradliniger kommerzieller Pop. Robert John Lange wurde 1948 in Mufilira, Nordrhodesien, als zweiter von drei Jungs geboren. Mufilira ist eine Bergbaustadt an der Grenze zum Kongo, im Zentrum der Copperbelts, der kupferreichsten Region der Welt. Sein in Südafrika geborener Vater war Bergbauingenieur - nicht ein Anzug- und Krawatten - Büromanager, mehr ein Picke und Schaufel - Typ, als Vorarbeiter für Teams einheimischer Arbeiter verantwortlich. Im Gegensatz dazu seine Mutter: eine sehr gebildete, kultivierte Frau, die aus einer wohlhabenden Familie in Deutschland stammte. Während er in der Schule und von seiner Mutter immer John genannt wurde, bekamen er und seine Brüder bereits früh Spitznamen, die an ihnen kleben blieben. Der Jüngste, Bill, wurde immer "Slug" (Nacktschnecke) genannt, weil er als Kind rundlich, langsam und nicht aus der Ruhe zubringen war, während John zunächst "Puppy" (Welpe) genannt wurde, woraus aber bald das weniger liebenswerte "Mutt" (Köter) wurde. Sie genossen eine komfortable koloniale Erziehung, aber weit entfernt vom Veranda- Luxus eines Happy Valley. Es gab Hauspersonal, aber weder fließendes kaltes, geschweige denn warmes Wasser, so dass die Langes eher am unteren Ende der sozialen Skala der Expatriierten zu finden waren. Die einzige Popmusik, die Mutt in seiner Jugend hörte, waren internationale Hits mit starken Aussagen und Melodien, die sich im Kopf festsetzten. Es gab sonst nicht viel da draußen. In den Bergbaustädten von Nordrhodesien gab es keine Rundfunkstationen, so dass die Musik in Form von Schallplatten dorthin kam, die irgend welche Leute mitbrachten - und deren Geschmäcker waren oft suspekt. Im Alter von 11 wurden die Lange'schen Jungs in eine Internatsschule geschickt, die von der Regierung bezahlt wurde. John folgte seinem älteren Bruder Peter in eine Schule in Südrhodesien. Er war ein guter Allround-Sportler, der Eröffnungsspieler im Cricket-Team und ein harter Rugbyspieler mit wenig Interesse für Musik. Zu der Zeit jedoch, als er in die Belfast High-School in Südafrika eintrat, war Mutt entschlossen, seine Karriere in der Popmusik zu machen. Dies war eine staatlich finanzierte Internatsschule, die Teenager aus ganz Afrika aufnahm. Radios waren in der Schule nicht erlaubt und die Jungs durften mit Mädchen nie ohne eine Anstandsdame reden. Mutt verabscheute es. Er gründete eine Gruppe, in der er Rhythmusgitarre spielte und sang. Sie spielten britische Pop-Hits der Beatles, Manfred Mann (einem Südafrikaner) und den Hollies. Trotz Radioverbotes erlaubte die Schule der Band zu üben und bei Schulveranstaltungen zu spielen. Tanzen war jedoch nicht erlaubt. Mutt perfektionierte sein Handwerk in Südafrika, formte seine erste Band und arbeitete als Werbetexter, bevor er mit seiner ersten Frau Stevie nach Großbritannien zog. Er war als Produzent schnell erfolgreich mit millionenfach verkauften Platten der Boomtown Rats, AC/DC, Def Leppard, The Cars und Bryan Adams und einem Ruf, einer der akribischsten Perfektionisten zu sein, die jemals hinter einem Mischpult gesessen haben. Im Dezember 1993 hatte Mutt Lange gleichzeitig drei Titel in den Top 10 der US Top 100-Charts - Please Forgive Me (Bryan Adams), All for Love (Bryan Adams, Rod Steward und Sting) aus dem Soundtrack zu Die drei Musketiere und Boltons I Said I Love You... But I Lied. Er schien auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen zu sein. Tatsächlich aber stand ihm sein grösster Triumph erst noch bevor und zwar aus einer höchst ungewöhnlichen Quelle: Countrymusik. Während seiner Karriere hatte Lange sich mit Country versucht und Alben mit Clover (der sich später in Huey Lewis and the News verwandelte) und den Outlaws aufgenommen - ohne grossen Erfolg. 1993 war er für eine neue Herausforderung bereit. Der Durchbruch von Garth Brooks hatte gezeigt, dass Nashville in der Lage war, Millionenseller hervorzubringen, aber der Sound war veraltet und dünn, verglichen mit dem, was er liefern konnte. Wenn er in seinem Studio arbeitete, flackerte gewöhnlich ein Countrymusik TV-Programm im Hintergrund. Ein Tages schaute Mutt zu und sah ein junges Mädchen mit einem perfekten flachen Bauch am Strand tanzen. Es war ein Coup De Foudre, eine Liebe auf den ersten digitalen Blick. Alles an dem Clip zu What Made You Say That, der die Programmgestalter in den Staaten durcheinander gebracht hatte, hatte die entgegengesetzte Wirkung auf Lange. Er sah das Video und verliebte sich in sie. Er muss ziemlich beeindruckt gewesen sein, wenn er sich über seine wesentlichen Grundsätze hinweg setzte. Mutt, der seit über zwanzig Jahre nicht erfolgreich mit Sängerinnen gearbeitet hatte, bemühte sich um eine unbekannte Künstlerin. Er hatte dies jahrelang nicht getan, nicht mehr seit Def Leppard. Als einer der Top - Produzenten auf dem Planeten, mit über 100 Millionen verkauften Alben, erhielt er Tantiemen in Höhe von 5% und eine sechsstellige Vorauskasse. Nur etablierte Größen konnten ihn sich leisten. Nashville war vermutlich das einzige Musikzentrum der Welt, wo sein Name fast nichts bedeutete. Zunächst rief er Shanias Managerin, Mary Bailey an, welche zuerst glaubte, er sei ein überdrehter Fan. Sechs Monate später waren Mutt und Shania verheiratet. In ihren Flitterwochen nahmen die Langes das teuerste Album in der Geschichte von Nashville auf. Es hieß The Woman In Me.
Auf Tour
Das erste Konzert auf Shania Twains "Come On Over" Tour, fand am Freitag, dem 29. Mai 1998 in der Sudbury Community Arena statt. Am Tag davor, als sich jeder andere selbst zur Raserei brachte, fuhr Shania nach Hanmer hinaus. Sie hielt am Proulx Court, machte einen Spaziergang entlang der Strecke, die sie einst ging, um auf dem Onwatin Lake Schlittschuh zu laufen und machte einen Abstecher zu ihrer alten Schule Redwood Acres. Es war Mittagszeit, sie plauderte mit den überraschten Kindern und liess sich fotografieren. Damals hatte sie beschlossen, nicht aufzutreten, bis sie Schlagzeilen gemachte hatte und dann begann Shania, ihre Vorstellungen für die Bühnenshows zu formulieren. Sie griff auf alles zurück, was sie gelernt hatte. Die grossen Pink Floyd - und Rush - Shows, die sie als Teenager geliebt hatte, den puren Vegas-Showbiz-Pomp, den Hauch von Vertrautheit, der für ein Country-Publikum so wichtig war. Sie war sich dessen bewusst, dass bei zu vielen hydraulische Sets und Special Effects, die Kritiker ihr wieder vorwerfen würden, sie verstecke sich hinter der Technik. So beschloss sie, sich auf "Licht, Sound und Performance" zu konzentrieren. Genau wie bei ihren Videos, stellte Shania zuerst ein Grundkonzept für die Show auf und fand dann die besten Leute, die es umsetzten. Ihr Manager Jon Landau, der gerne in die konzeptionelle Planung einbezogen werden wollte, war eine wesentliche Sound-Institution. Zusammen mit Jon kam ein anderer Springsteen - Veteran: Tourdirektor George Travis. Travis' letzte Projekte waren die Welttourneen von Bruce, Madonna und Mariah Carey, die einen breiten Querschnitt der Forderungen von Diven, komplexer Inszenierung und reinem Stehvermögen darstellten. Shania scheute keine Kosten und gab ihm Blankovollmacht, um die besten und erfahrensten Leute einzustellen. Die Show nutzte die allerneueste Technik, Drehbühnen, der Videobildschirm war ein in China gebauter Prototyp, jegliche Ausrüstung war auf dem neuesten Stand. Sie und die Band hätten Bühnenneulinge sein können, aber die Typen hinter den Kulissen wussten, wie man den Papst zum Rocker werden lässt. In der heutigen Marktsituation sind die erfolgreichsten Konzerttourneen nicht mehr Musik allein. Sie müssen ein Ereignis sein, ein Spektakel, etwas Broadway Show, etwas Vergnügungspark, eine Kombination von High Energy und Effekten, die sowohl den Augen als auch den Ohren etwas bieten. Währenddessen sind die Liveshows als fester Bestandteil der ständigen Tourneen in der Countrymusik eher traditionell geblieben, visuell abgestanden wie Grabenwasser - ein grauhaariger alter Kerl mit Hut, Jeans und Cowboystiefeln steht herum und spielt fröhlich vor sich hin. Shania war entschlossen, dass ihre Liveband diese Form sprengen wird. Der Trick sollte sein, den Countrysound beizubehalten, aber wie etwas völlig Neues zu präsentieren. Die Musiker müssten vollendete, vielseitige Leute sein, dazu fähig, die komplexen Arrangements zu spielen, aber jung, cool und funky aussehen. "Ich kann in meiner Band niemanden gebrauchen, der nicht genauso viel Energie hat, wie ich." sagte Shania, ihre Auswahl begründend. "Ich will keine Leute, die nur auf Tour waren, um auf Tour zu sein. Und ich möchte ein saubere Band. Keine Drogen. Keinen Alkohol. Ich möchte anständige Leute um mich haben." Nachdem er Come on Over für Europa remixed hatte und Shania unterwegs war, um es zu promoten, schlüpfte Mutt in die Rolle des Musikdirektors. Er behielt nur zwei Musiker aus den The Woman In Me -Tagen, Pedalsteelgitarristen Marc Muller und Allison Cornell an der Geige. Aus Nashvilles junger Szene rekrutierte er Gitarristen Brent (BB) Barcus und Schlagzeuger J.D. Blair, einen 1,80 großen schwarzen Typ in dunkler Kluft und mit Furcht einflössendem Aussehen, wie er an eine Strassenecke in Compton gepasst hätte. Es gab zwei Australier, die Gitarrist Randall Waller, der Joker in der Truppe, in Tennessee aufgefischt hatte, sowie den Bassisten Andy Cichon, früher einmal bei Oz Hard Rockers Rose Tattoo. Das erste Opfer, wenn man vor 30.000 Leuten spielt, ist die Intimität. Die ersten fünfzig Reihen haben eine grossartige Zeit, aber jenen im Hintergrund, nahe am Himmel, erscheinen die Leute, die auf der Bühne herumspringen, wie Lowry - Streichholzmännchen in der Hölle, während der Sound in den schlechtesten Flugzeughangars besser sein kann, als in einem Stadion. Riesige Videobildschirme und Mutts sorgfältige Proben lösten einige dieser Probleme. Die Show verwischte die Grenzen der Countrymusik von Anfang an. Shania trug enge Outfits, offenbarte ihre weltberühmte Taille mindestens eine Hälfte des Sets, unermüdlich die gesamte Bühne ausnutzend. Alle Musiker trugen hautenge T-Shirts oder Westen - mit Ausnahme von "Groove - Regulierer" J.D. Blair mit seinen übergroßen Kopfhörern und Skibrille. Musikalisch hatte die Show so viel mit Countrymusik zu tun, wie die Polizei mit Reggae. Die vertrauten Instrumente - aber der Groove war reiner Pop. Die Tour war ein Triumph, der sie von einem Countrystar zu einem Pop-Superstar machte, ohne dass jemand dabei etwas vermisste. Zwischen dem 29. Mai 1998 und dem 16. Januar 2000 gab Shania Twain 165 Vorstellungen (in erster Linie den USA und Kanada, sieben davon in Australien, drei in Großbritannien und eine in Irland) in fünf Ländern, mit über 2,5 Millionen Besuchern. Die Tour brachte 86 Millionen Dollar brutto ein, den höchste Betrag, der je bei einer Countrytour erzielt wurde. Nur die Rolling Stones waren erfolgreicher.
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